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Putzschäden II

Putzrisse Leichtziegelmauerwerk III

Bericht über Risse im Putz mit unterschiedlichen Ursachen:

In Zusammenarbeit mit Dr. Eberhard Wendler wurden 2 durch Risse geschädigte Fassaden untersucht. Zur Untersuchung des Wandaufbaus setzt Dr. Wendler das vom Frauenhofer Institut für Bauphysik entwickelte Bohrgerät ein, welches die Härte der einzelnen Schichten über den Bohrwiderstand aufzeichnet. Der Anpressdruck wird über ein Gewicht erzeugt.

Bei diesen beispielhaften Untersuchungen sollten die Rissursachen festgestellt und ob die alte Putzerregel "nach Außen immer weicher" eingehalten wurde.

 

1. Putzrisse Fassaden aller Himmelsrichtung, Einfamilienhaus 

Putzrisse mit Breiten von rd. 0,1 mm entsprechend den Lagerfugen des Mauerwerks und teils auch an den Stoßfugen. Im Bereich Sockelputz treten Risse verstärkt auf. Das Gebäude wurde im Jahr 2000 errichtet, die Risse wurden 2001 bemerkt.

Die Risse befinden sich an allen Fassaden, d. h. allen Himmelsrichtungen.

Wandaufbau:
Gitterziegel N+F 0,65/6 365/247/238
Mauermörtel LM 36 als Nassmörtel 
Leichtputz als Grundputz (Werktrockenmörtel Maschinenputz)
Scheibenputz (Werktrockenmörtel) 3 mm Körnung

Sockelputz:
Wand wie vor, bzw. Kellerbereich Perimeterdämmung (Polysterolhartschaum)
Werktrockenmörtel (ca. 2 cm) als Zementmörtel mit Gewebeeinlage 
Zementfeinputz

 

Auswertung Bohrung 1 + 2 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grafische Auswertung der Bohrungen 1 + 2 von Dr. Wendler

Bohrung 1 Bereich Riss Lagerfuge im Sockelbereich, >Zementmörtel

Ergebnis: Der Zementsockelputz (Kurve 1) ist wesentlich zu hart für die Leichtziegel. 

Bohrung 2 Bereich oberhalb Sockel >Leichtputz

Der Oberputz (Scheibenputz) ist weicher als der Grundputz >richtiger Putzaufbau. Die Leichtziegel sind weicher als der Leichtputz.

 

Grafische Auswertung der Bohrungen 3 + 4 von Dr. Wendler

Bohrung 3 Bereich Riss Lagerfuge ca. 1/2 m oberhalb Sockelbereich, >Leichtputz

Ergebnis: Der Oberputz (Scheibenputz) ist weicher als der Grundputz >richtiger Putzaufbau. Der Leichtmauermörtel LM 36 (Kurve 3) ist weicher als der Leichtputz. 

Bohrung 4 Bereich Bohrung 3, jedoch in Ziegel gebohrt

Der Oberputz (Scheibenputz) ist weicher als der Grundputz >richtiger Putzaufbau. Die Leichtziegel entspricht etwa der Härte des Putzes.

Die Versprünge (Kurve 4) geben die Ziegellochung wieder (kein Bohrwiderstand).

Die Messungen erfolgten mit einem 10 mm Bohrer und 2 bzw. 3 kg Gewichten für den Anpressdruck.

 

Die vermauerten Ziegel sind stark anisotrop, vergl. meine Ausführungen unter Putzrisse I + II. Die Anisotropität verstärkt sich durch die unvermörtelten Stoßfugen > Zahnziegel. 

Der verwendete Leichtputz ist immer noch zu "hart" für diese Ziegel bzw. den Leichtmauermörtel LM 36 der Lagerfugen. Dies zeigt sich deutlich durch die Tatsache, dass selbst an der Nordseite die selben Risse vorhanden sind wie z. B. an der Westseite. Thermische Spannungen durch Sonneneinstrahlung haben offensichtlich die Risse nicht ausgelöst.

 

2. Putzrisse nur Westwand, Doppelhaushälfte in Augsburg

Wandaufbau
Leichtziegel Rohdichte 0,8 kg/dm3 Format 36,5/24/23,8
Mauermörtel MG IIa Kalkzementmörtel (Nassmörtel)
Leichtputz als Grundputz (Werktrockenmörtel Maschinenputz)
Modelierputz, mit der Traufel verzogen und eingewaschen
mineralischer Anstrich.

 

Gitternetzartige Risse an der Westfassade

Die Risse sind nur an der Westseite aufgetreten und erst nach mehreren Jahren nach Fertigstellung bemerkt worden.

 

Auswertung Bohrung 1 + 2

Grafische Auswertung der Bohrungen 1 + 2 von Dr. Wendler

Die Bohrungen erfolgten im Bereich einer Lagerfuge, wobei hier m. E. nur die  Bohrung 2 zu beachten ist. Die Lagerfugen waren verhältnismäßig dünn, sodass auch die Ziegel angeschnitten wurden.

Ergebnis: Der Oberputz ist zu hart für den Grundputz, Die Lagerfuge ist wesentlich härter als der Grundputz, was technisch richtig ist.
Der Oberputz ist jedoch härter als der Grundputz.

 

Grafische Auswertung der Bohrungen 3 + 4 von Dr. Wendler

Die Bohrung 3 erfolgte im Bereich eines Risses, hier wurde die Lagerfuge angeschnitten. Die Bohrung 4 wurde direkt auf den Ziegel angesetzt.

Ergebnis: Sowohl Ziegel wie auch Lagerfuge sind härter als der Grundputz. 
Der Oberputz ist jedoch härter als der Grundputz.

Die im Beispiel 2 verwendeten Ziegel sind zwar auch anisotrop, jedoch nicht so stark wie die in Beispiel 1. 

Die Ursachen der Putzrisse unterscheiden sich jedoch deutlich. Im Beispiel 1 ist der Grundputz für das verwendete Mauerwerk zu hart (oder umgekehrt das Mauerwerk ist zu weich, je nach Blickwinkel). 

Im Beispiel 2 ist der Oberputz zu hart. Da hier ein feinkörniger Dekorputz verwendet wurde, dürfte dieses Putzmaterial mehr Bindemittelanteil aufweisen als der Grundputz, er wird nach dem Abbinden härter. Inwieweit der Anstrich sich auf die Härte des Oberputzes ausgewirkt hat, müsste noch untersucht werden. Im Beispiel 2 ist der Witterungseinfluss an der Westseite mit maßgeblich für die Rissbildung. Stichwort > Feuchtewechsel durch Regen, längste Sonnenbestrahlung und stärkste Temperaturwechsel insbesondere im Frühjahr etc.

 

Zusammenfassung:

Nach meiner Meinung sind die in Beispiel 1 verwendeten Gitterziegel für den verwendeten Leichtputz nicht geeignet. Inzwischen wird von der Ziegel- und Putzindustrie eine Bewehrung mit Glasfasergewebe für solche Wandaufbauten empfohlen. Die Empfehlung geht sogar weiter, statt Leichtputz sollte mindest 30 mm Wärmedämmputz verwendet werden. Vergl. Unipor-Fachtagung 2001 Vortrag Prof. Metzemacher. 

Hier geht die Ziegelindustrie nach meiner Auffassung den falschen Weg.

Es ist für mich nicht verständlich, wenn man einen hochdämmenden Ziegel der "neuen Ziegel-Generation" einsetzt, diesen dann mit einem Dämmsystem (z. B. Wärmedämmputz) versehen muss um Risse zu vermeiden.

 Wenn schon Wärmedämmputz, dann in entsprechender Dicke auf ein "stabiles" Ziegelmauerwerk mit vernünftiger Rohdichte (Stichwort Schallschutz), es sind dann auch dünnere Außenwände möglich (Kosten).

Deshalb warne ich jeden Verarbeiter (Bauunternehmen, Putzer) und auch die Planer, diese "Superleichtziegel" zu verwenden. Leider erweitert bzw. ändern die Stein- und Putzhersteller mit der deutlichen Zunahme von Putzschäden in den letzten 10 Jahren ihre "Empfehlungen" laufend, dies aber "manchmal" erst nachdem die Schäden aufgetreten sind. Regelmäßig werden Verarbeiter und Planer nach Auftreten solcher Risse zur Mängelbeseitigung über die Gewährleistung aufgefordert.

Es ist auch Vorsicht bei "Modelierputzen" geboten. Selbst bei ausreichend "hartem Putzgrund" treten Risse auf, weil der Oberputz oft härter als der Grundputz ist. 

Auch die "Leicht - Sockelputze", insbesondere auf Perimeterdämmung sind kritisch zu betrachten. 

Wird fortgesetzt.

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